Beispiele zur Themengestaltung gefällig?
Sie kennen die Novelle "Bahnwärter Thiel" von Gerhard Hauptmann.
Der Schreibanlass als Prüfungsthema könnte zum Beispiel lauten:
"Bahnwärter Thiel ist nach einiger Zeit psychiatrischer Behandlung wieder ansprechbar. Er gibt einem Reporter ein Interview."
Weiteres Beispiel aus der Prüfung für Realschulen in Baden-Württemberg 1999:
Lektüre: "Abschied von Sidonie" (Erich Hackl)
Aufgabenstellung:
"Anlässlich der Enthüllung dieser (Gedenk-) Tafel hält Manfred (Breirather, der "Ziehbruder" des Zigeunermädchens Sidonie), der sich eingehend mit dem Schicksal Sidonies befasst hat, eine Rede. In ihr geht er auch auf das Verhalten von Gemeindemitgliedern, Schule und Behörden ein. - Schreiben Sie diese Rede."
Themen-Texte waren bisher:
Sansibar oder letzte Grund (Alfred Andersch)*
Andorra (Max Frisch)
Abschied von Sidonie (Erich Hackl)**
Mutter Courage (Berthold Brecht)
Die Physiker (Friedrich Dürrenmatt)
Prüfungsthema 2000/2001 ist der utopische Roman:
"Version 5 Punkt 12" von Reinhold Ziegler, Gulliver Taschenbuch 818/BELTZ
* (Unterrichtsmaterialien zu "Sansibar oder der letzte Grund" sind - auch als CD - erhältlich unter Kontakt.Kosten 20 DM incl. Porto; nur gegen Vorkasse oder Nachnahme.1)
**(Die -etwas anderen- Materialien zu "Abschied von Sidonie" sind erhältlich - auch als CD - unter Kontakt. Kosten 40 DM incl. Porto; nur gegen Vorkasse oder Nachnahme 1)
1) Nachnahme-Gebühr ist vom Besteller zu entrichten
Vorangestellt seien zwei Themenvorschläge für Klasse 6 und Klasse 10. Damit wird gezeigt, wie Schüler im Alter von 12 und 15/16 Jahren mit solchen Themen umgehen können.
Klasse 6:
Aufsatzthema:
Pole Poppenspäler (Theodor Storm)
Auf manchen Bucheinbänden findest Du"Kurzbeschreibungen" zum Inhalt des Buches.
Wenn man in einem Buchladen stöbert, liest man dann immer diesen Text auf der
Einband-Klappe, deshalb nennt man den Text auch Klappentext.
Der Leser soll damit angeregt, für das Buch interessiert werden.
Der Klappentext gibt einen Überblick über die Handlung und die Figuren.
Er verrät aber dann doch nicht alles. Der Leser soll ja das Buch kaufen.
Schreibe einen solchen Klappentext zu Theodor Storms Novelle "Pole Poppenspäler".
SCHÜLERARBEIT als Beispiel:
(Die Arbeit wird wortgetreu im Original, ggf. mit Fehlern zitiert. Der Schüler Georg B. war damals 12 Jahre alt.)
Pole Poppenspäler
Die Novelle Pole Poppenspäler ist traurig aber auch fröhlich. Theodor Storm, der Autor der Novelle, lässt zwei Personen miteinander reden. Das gibt dem Leser das Gefühl, als sei die Geschichte echt passiert, obwohl die Geschichte frei erfunden ist. Die Novelle, die im Jahre 1873/184 entstand, ist sehr gefühlsvoll. Die Geschichte handelt von Paul Paulsen und Lisei, dem Puppenspielermädchen, die sich in ihrer Kindheit begegneten und sich anfreundeten. Als Lisei abreisen musste, fiel Paul Paulsen der Abschied so schwer, dass er ihr noch Jahre später nachtrauerte.
12 Jahre später begegneten sie sich in einer mitteldeutschen Stadt zufällig wieder. Paul Paulsen erfährt, dass Liseis Vater unschuldig im Gefängnis ist und veranlasst seine Befreiung. Paul Paulsen macht Lisei einen Heiratsantrag. Lisei willigt ein. Sie ziehen wieder in die Stadt, in der sie sich schon vor 12 Jahren getroffen haben. Paul Paulsens Eltern sich schon gestorben, Paul Paulsen übernimmt die Werkstatt seines Vaters. Lisei und Paul bekommen einen Sohn.
Viel Spaß beim Lesen.
Klasse 8:
Aufsatzthema:
Historisches Interview - Ein Schreibversuch
Ziel ist es, weitgehend selbständig recherchierte historische Hintergründe eines Ereignisses umzusetzen. Zugegeben, die Umstände wirken konstruiert. Das aber schlägt nicht so zu Buche, denn eigentlich konzentrieren sich die Schüler auf das Thema, das Interview. Dabei sind die Schüler gehalten, möglichst keine Fehler in den Zusämmenhängen zumachen.
Rahmen-Thema:
Die Füße im Feuer
Ballade von Conrad Ferdinand Meyer
Vorbereitung:
Umfangreiche Textarbeit war vorausgegangen.
Szenen wurden gespielt.
Personen in ihrer Haltung und Handlungsweise ergründet.
Die Schüler erhielten schließlich den Auftrag, selbst die historischen Hintergründe jenes Verbrechens auf der Burg des Hugenotten-Adligen zu recherchieren. Es kamen interessante Arbeiten und Ergebnisse zusammen, teils aus Lexika, teils aus Geschichtsbüchern, aus dem Internet und anderen Quellen. Die Bartholomäus-Nacht und die politischen Zusammenhänge konnten im Geschichtsunterricht fächerübergreifend vertieft werden.
Mit diesem Hintergrundwissen sollten die Schüler der Klasse 8 (2000/2001) folgende Lage annehmen:
"Du bist Jahre nach den Hugenottenkriegen als 'Reporter einer Zeitung' mit den Kriegen befasst. Nimm an, es habe damals Zeitungen gegeben, die relativ frei arbeiten konnten. Durch deine Recherchen über die Hugenottenkriege bist du auf die Tochter jener Frau gestoßen, von der in der Ballade von Conrad Ferdinand Meyer die Rede ist. Es sind seit dem Tod der Mutter 20 Jahre vergangen.
Es ist dir gelungen die junge Frau zu einem Interview zu bewegen. Bedenke, du schreibst für deine Leser!"
Sebastian R. Klasse 8 (2000/2001) Realschule
stellte sich seine Arbeit und sein Interview so vor:
(Die Arbeit wurde wortgetreu eingestellt.)
Interview mit Marion von Golms*
Es ist viel passiert in der Zeit der Hugenotten in Frankreich. Das Wort "Hugenotten" ist aus dem Wort Eidgenossen entstanden. Das ist die Bezeichnung für französische Protestanten. Vor allem der Adel und die Mittelschicht haben sich der hugenottischen Richtung angeschlossen. Doch die damaligen Könige duldeten diese Glaubensrichtung nicht. Es folgten acht blutige Hugenottenkriege und der furchtbare Massenmord der Bartholomäusnacht. Eine Geschichte hatte mich dabei bei meinen Recherchen sehr berührt: Marion von Grolms heißt die junge Adelige, die als kleines Mädchen vor rund 20 Jahren die Grausamkeiten der Hugenottenkriege miterlebte. Ihre Mutter wurde vor ihren Augen von den Soldaten des Königs umgebracht, weil sie nicht verraten wollte, wo sich ihr Mann versteckt hielt. Marion von Grolms war bereit, unserer Zeitung ein Interview zu geben.
* Der Name ist frei erfunden.
Sebastian R:
Marion von Grolms, wer hat mit Ihnen auf dem Schloß gelebt ?
Marion von Grolms.
Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und ich. Außerdem noch zwei Bedienstete, die Schaffnerin und ein Diener.
Sebastian R:
Sie lebten in einer gläubigen Hugenottenfamilie?
Marion von Grolms:
Ja, wir wurden sehr gläubig erzogen. Mein Bruder und ich bekamen jeden Abend etwas aus der Bibel vorgelesen.
Sebastian R:
Sind sie heute noch bekennende Hugenottin?
Marion von Grolms:
Eine Zeitlang zweifelte ich an meinem Glauben, aber heute bin ich mit voller Überzeugung Protestantin.
Sebastian R:
Was f ür ein Verhältnis hatten sie zu den Bediensteten?
Marion von Grolms:
Unsere Schaffnerin war eine sehr liebe Frau. Nach dem Tod meiner Mutter versuchte sie so gut wie möglich meine Mutter zu ersetzen.
Sebastian R:
Was ist mit ihrer Mutter geschehen?
Marion von Grolms:
Es war während einer Hugenottenjagd. Vor 20 Jahren. Die Ritter des französischen Königs überfielen meine Mutter, meinen Bruder und mich. Sie kamen nachts und wollten wissen, wo mein Vater sei. Meine Mutter sagte nichts. Die Männer wurden wütend. Einer der Männer packte meine Mutter und schleppte sie zum offenen Herdfeuer. Mein Bruder und ich wurden von den anderen weggezerrt. Doch ich habe es gesehen. Der Ritter steckte die Füße meiner Mutter in die Glut des Herdes.
Sebastian R:
Sie haben bereits im Vorgespräch angedeutet, dass sie den Mörder ihrer Mutter wieder getroffen haben.
Marion von Grolms:
Er war auf der Reise nach Nimes. Ein Sturm zwang ihn, einen Unterschlupf zu suchen. So kam er zu unserem Schloss.
Sebastian R:
Hat der Ritter übernachtet?
Marion von Grolms:
Er hat übernachtet. Mein Vater wusste ja nicht wer er war. Wir saßen sogar alle am Tisch und aßen zu Abend. Niemand sprach das Tischgebet. Der Ritter aß schnell, er wollte sofort auf sein Zimmer. Als er das Esszimmer verlassen hatte, flüsterte mein Bruder meinem Vater ins Ohr, dass er den Ritter als Mörder unserer Mutter wieder erkannt habe.
Sebastian R:
Dachte ihr Vater an Rache?
Marion von Grolms:
Auf jeden Fall. In dieser Nacht konnte er nicht schlafen. Er hat gekämpft, gekämpft gegen seine Rachegefühle. Vor lauter Sorge bekam er über Nacht schneeweiße Haare.
Sebastian R:
Was passierte damals mit dem Ritter?
Marion von Grolms:
Mein Vater als gläubiger Christ tat ihm nichts.
Sebastian R:
Wissen Sie, ob ihr Vater jemals von Glaubenszweifeln geplagt wurde?
Marion von Grolms:
Ich denke nicht! Denn er hat einmal zu mir gesagt: An jenem Abend, als der Ritter bei uns war, fiel ihm der Dienst Gottes sehr schwer. Doch mein ist die Rache, spricht Gott! Damit hat er gemeint, dass er sich nicht rächen muss. Die gerechte Srafe bekommt der Ritter von Gott.
Sebastian R:
Wie leben sie heute?
Marion von Grolms:
Wie sie sehen, wohne ich immer noch auf dem Schloss. Ich f ühre ein ganz normales Leben!
Sebastian R:
Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Aufgabe zur Lektüre
"Besuch der alten Dame"
(Friedrich Dürrenmatt) war:
Stelle dir vor, du bist als Reporter nach Güllen geschickt worden, um ein Interview mit Claire Zachanassian zu führen. Zunächst hast du dich genau umgesehen, informiert, die Vorgänge kennengelernt und dann einen Geprächstermin von der Zachanassian bekommen. Entwirf das Interview.
Hier folgt nun der Originaltext von Richard E. aus der Klassenstufe 8, Realschule, Schuljahr 2001/2002
Güllen:
Eine Kleinstadt zwischen Kaffingen und Kalberstadt. In Güllen findet ein Milliarden-prozess um die Hinrichtung eines Mannes namens Alfred Ill statt. Unser Reporter Richard E. hat ein Interview von Claire Zachanassian bekomme, die den Güllener Bürgern eine Milliarde bot, wenn sie Zachanassians Jungendschwarm Alfred Ill töten.
SZ:
Guten Abend, Frau Zachanassian. Wieso bieten Sie Güllen eine Milliarde? Warum sollen die Bürger Alfred Ill töten?
Zachanassian:
Guten Abend. Ich biete Güllen das Geld, weil ich Gerechtigkeit will.
SZ:
Was kann ich unter Gerechtigkeit verstehen, Frau Zachanassian?
Zachanassian:
Also, guter Mann, ich will ihnen das erklären. Damals, als ich noch jung war, war ich mit Ill zusammen. Es war eine schöne Zeit. Wir haben uns geliebt, wir erwarteten ein Kind zusammen. Ill wollte dies aber nicht akzeptieren, er stritt alles ab. Er sagte, dass er nicht der Vater sei. Natürlich war er der Vater! Ich hatte ja nur ihn. Auf jeden Fall ging die ganze Sache vor Gericht und Alfred gewann diesen Prozeß, was mich natürlich sehr traurig machte.
SZ:
Ich habe von ihrem Butler, der damals Richter war und diesen Prozeß leitete, erfahren, dass Herr Ill zwei Männer bestochen habe, damit diese dann eine Falschausage machen. Ist das richtig?
Zachanassian:
Ja, das ist richtig. Daraufhin bin ich ja aus Güllen sozusagen rausgeschmissen worden. Man hat mich fortgejagt.
SZ:
Was haben sie dann gemacht?
Zachanassian:
Also, das war so: Selbst Ill stand nicht zu mir. Er hat sich einfach eine neue Freundin gesucht. Er nahm Matilde Bluhmhart, sie war Einzelhändlerin und sie hatte Geld. Ill nahm sie nur des Geldes wegen. Ich wurde sehr unbeliebt in Güllen und ging nach Hamburg. Ich habe mir gedacht, dass ich irgendwann nach Güllen zurück kehren werde um Ill fertig zu machen.
SZ:
Was haben sie in Hamburg gemacht?
Zachanassian:
Ich ging in ein Bordell. Ich hatte nichts, überhaupt nichts mehr! Also ging ich in ein Bordell dort traf ich meinen ersten Ehemann. Ihm gehörte Armenian Oil. Ich war froh, dass ich ihn kennengelernt habe, denn er hatte Geld. Jetzt konnte ich endlich meine Pläne in die Tat umsetzen.
SZ:
Was waren das denn für Pläne ?
Zachanassian:
Erstens wollte ich diesen Richter haben, der genau wusste, dass Ill die zwei Zeugen bestochen hatte. Zweitens wollte ich diese zwei Zeugen, die die Falschaussage machten. Drittens wollte ich Güllen aufkaufen: Ich habe Bockmann, Die Platz-an-der-Sonne-Hütte und die Wagner Werke gekauft. Dann habe ich alles Pleite gehen lassen. So wurde langsam ganz Güllen pleite und es kamen auch bald keine Touristen mehr. So bekam Güllen kein Geld mehr und verarmte. Das mit dem Richter gelang mir auch. Ich fand ihn und machte ihn zu meinem Butler. Die Zeugen fand ich auch, doch die mussten sehr büßen. Ich habe sie blenden und kastrieren lassen, damit sie nie wieder irgend jemandem etwas zu leide tun können.
SZ:
Warum haben sie Güllen pleite gemacht? Was soll das bewirken?
Zachanassian:
Das ist ganz einfach zu kapieren. Als ich sieben weitere Männer geheiratet hatte, hatte ich genügend Geld um mir alles zu kaufen was es gibt. Da Güllen nun Schulden in Millionenhöhe hatte, haben die Bürger die Milliarde nötig. Ich weiß, dass irgend jemand Ill umbringt. Irgend jemand.
SZ:
Warum sind Sie da so sicher ?
Zachanassian:
Ich weiß das. Bei so viel Geld für nur einen Menschen! Das macht jeder. Die Leute kaufen bereits alle teuere Sachen, ist mir aufgefallen. Alle kaufen sich neue gelbe Schuhe und Autos. Alle haben etwas Neues zum Anziehen gekauft. Und alle machen Schulden. Sie hoffen, dass irgend jemand Alfred Ill umbringt. Und außerdem findet bald eine Beratung im Theatersaal im Goldenen Apostel statt. Ich werde diesen Prozeß gewinnen.
SZ:
Warum sind Sie sich da so sicher ?
Zachanassian:
Ich weiss das. Und ich fühle es.
SZ:
Aber Gerechtigkeit kann man nicht kaufen!
Zachanassian:
Ich kann alles kaufen. Sogar die Gerechtigkeit. Sie können ja mitkommen zum Goldenen Apostel. Dann werden Sie sehen, was der Mensch für Geld alles macht. Das war ja bei mir auch so. Ich habe diese Männer alle nur geheiratet, weil sie Geld hatten.
SZ:
Was machen Sie dann mit Ill, falls er getötet wird.
Zachanassian:
Ich bringe ihn nach Capri und lasse ihn dort beerdigen.
SZ:
Ich schaue mir das im Goldenen Apostel auf jeden Fall an. Danke, dass Sie Zeit für mich hatten.
Auf Wiedersehen, Frau Zachanassian.
Zachanassian:
Auf Wiedersehen.
Unser Reporter berichtet in unserer morgigen Ausgabe von dem Prozeß im Goldenen Apostel.
Klasse 10:
Aufsatzthema:
Sansibar oder der letzte Grund (Alfred Andersch)
Knudsen und der Junge sind mit ihrem Kutter auf der Heimfahrt von Schweden über die Ostsee nach Rerik. Obwohl Knudsen nie viel sprach, entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Entwirf dieses Gespräch!
SCHÜLERARBEIT als Beispiel:
(Die Arbeit wird wortgetreu im Original u. ggf. mit Fehlern zitiert. Die Schülerin Melanie L. war damals 16 Jahre alt.)
Entwirf ein Gespräch, das Knudsen und der Junge auf der Heimfahrt geführt haben könnten.
Knudsen hatte auf ihn gewartet. Er betrat den Steg. Knudsen ging lautlos in die Kajüte und startete den Motor. Der Junge machte die Leinen los und folgte Knudsen in die Kajüte. Einige Zeit war es still zwischen den beiden. Nur der Motor tuckerte regelmäßig dahin.
Da fing der Junge vorsichtig an: "Vielen Dank, Knudsen, dass du gewartet hast." Knudsen antwortete nicht. Er dachte darüber nach, warum er überhaupt gewartet hatte. Aber es fiel ihm eigentlich kein triftiger Grund ein, sich so lange der blanken Gefahr ausgesetzt zu haben. Er war auf Deck gesessen und hatte nachgedacht, Stunden. Der Junge startete noch einen Versuch und riss Knudsen damit aus den Gedanken: "Ich möchte mich bedanken, dass du gewartet hast, Knudsen." "Ja, ja, ist schon gut," knurrte Knudsen mürrisch, der sich ärgerte aus seinen Gedanken gerissen worden zu sein. Wieder verging einige Zeit. Lautlos. Dann sagte Knudsen: "Ich bin froh, daß du wieder gekommen bist." Seine Stimme klang zum ersten Mal richtig warm, dachte der Junge. Knudsen sprach weiter: "Ich weiß nicht, warum ich gewartet habe. Ich glaube, es war, weil ich ohne dich auch nicht zurückwollte. Also wartete ich, bis du kamst." Nachdem Knudsen das gesagt hatte, fiel es dem Jungen leichter, zu berichten, was geschehen war. Er sagte: "Ich wollte schon immer weg aus Rerik, es gibt Gründe weshalb ich weg muß. Das hier war meine Chance." "Was sind das für Gründe?" fragte Knudsen. Normalerweise hätte der Junge niemandem seine Gründe erzählt. Aber in diesem Augenblick, wo sich Knudsen und er so nahe waren, wollte er es nicht mehr geheim halten: "Der erste Grund ist, weil in Rerik nichts los ist, der zweite Grund ist, weil Rerik meinen Vater getötet hat und der dritte, weil ich nach Sansibar will."
"Deswegen bist du also nicht geblieben," warf Knudsen ein, "weil du nach Sansibar willst." "Nein", sagte der Junge. "Eigentlich bin ich zurückgekommen, weil ich sehen wollte, ob du noch da warst. Als ich das Schiff da so liegen sah, bin ich eigentlich ohne nachzudenken zurückgekommen." Da packte Knudsen die Neugier, und er fragte, was er denn den ganzen Tag gemacht habe. So erzählte der Junge weiter: "Als ihr weg wart, habe ich mich von Deck gemacht und bin in den Wald gegangen. Ich lief eine Weile, bis ich mitten im Wald diesen See entdeckte. Er sah wunderschön aus. Am Steg lag ein kleines Fischerboot. Daneben stand eine kleine Blockhütte. Sie war voll eingerichtet. In einer Ecke stand ein Bett, in einer anderen der Ofen mit Feuerstelle. Es war alles da. Geschirr, Holz, Kochgeschirr, Decken und so weiter. Es war ein richtig kleines Paradies. Ich fuhr mit dem Boot hinaus und fing zwei große Fische. Sie waren wunderschön, ganz anders als die Fische, die wir immer fangen. Weil ich kein Salz hatte, schmeckten sie gebraten sehr fad. Es wurde schon langsam dunkel und ich beschloß, nachzusehen, ob du noch da warst. Den Rest kennst du ja schon."
Knudsen war sehr froh, daß der Junge ihm die Wahrheit erzählt hatte. Das zeigte ihm, daß der Junge anfing ihm zu vertrauen. Deshalb erzählte er dem Jungen auch, was er sonst niemandem gesagt hätte: "Als ich so alt war wie du, hatten meine Eltern bestimmt, daß ich eine Lehre auf'einem Kutter machen sollte. Ich sträubte mich genauso wie du dagegen. Ich wollte Abenteuer. Es sollte einmal irgend etwas passieren. Immer die gleiche Arbeit, immer das Gleiche. Deshalb wollte ich genau wie du, weg. Damals war das noch viel schwerer als heute. So fing ich an, Tagebuch über meine Phantasiereisen zu schreiben. Ich war so versessen darauf, daß ich mir die wildesten Abenteuer ausdachte und aufschrieb. Bis eines Tages mein Vater die Aufschriebe fand, las und verbrannte."Von nun an versteckte ich sie besser und wünschte meinem Vater die schlimmsten Sachen. Alles half nichts, ich kam nicht fort. Als meine Eltern Jahre später starben, heuerte ich auf einem großen Schiff an. So wurde ich das, was ich was ich heute bin."
Dem Jungen hatte die Geschichte gefallen. Irgendwie erkannte er sich selbst darin wieder. Knudsen sprach weiter. "Ich glaube, ich weiß, wie du dich fühlst, aber mit Abhauen ist es nicht getan, das hast du ja gesehen. Ich weiß auch, wie unwohl du dich bei mir gefühlt hast. Manchmal hoffte ich, du würdest kommen und etwas fragen, irgendetwas. Einfach miteinander reden. Aber du kamst nicht und selber wollte ich dann auch nichts sagen."
"Oft wollte ich was fragen, zum Beispiel die Sache mit der Frau und der Holzfigur, aber ich habe es dann doch nicht getan." "Laß uns etwas ändern, ja? Ich möchte nicht, daß es dir genauso geht wie mir damals. In Zukunft fragst du, wenn du etwas wissen möchtest oder kommst zu mir um meinen Rat einzuholen. Und wenn es nur das Wetter ist, über das wir reden. Ich möchte, dass es dir gefällt bei mir. Ab sofort wollen wir Freunde sein, oder ?"
"Sehr gerne, ich glaube, dann kann ich mich auch daran gewöhnen in Rerik meine Lehre zu Ende zu bringen."
"Ich bin froh, dass wir miteinander reden konnten, ich glaube, es hat uns beiden sehr geholfen" sagte Knudsen. "Jetzt müssen wir uns nur noch eine Ausrede einfallen lassen, wo wir so lange waren, denn in einer Stunde werden wir Rerik erreichen."
Das Prüfungsthema 2002
Das Prüfungsthema stützte sich 2002 auf die Lektüre "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" von Thomas Brussig. Die Erzählung handelt vom Leben junger Leute im Ostteil Berlins, noch vor dem Mauerfall. Ariane E. Klasse 10, schrieb in der Vorbereitung zum Prüfungsthema 2002 nachstehenden Aufsatz und gab ihn frei für diese Internetseite.
Das hier für den Aufsatz in Klasse 10 als Probelauf gewählte Thema greift ein Zitat aus dem Buch auf. Das Thema lautete:
Eines Tages findet Michas Sohn die Tagebucheinträge, die Micha "damals" an Miriams Bett vorgelesen hatte. Der Junge liest:
"Liebes Tagebuch! Heute war ein wichtiger Tag, denn wir haben heute das ß gelernt. Jetzt lohnt es sich, mit dem Tagebuch anzufangen, weil ich jetzt endlich ein ganz wichtiges Wort schreiben kann, das ich bis jetzt immer nur denken konnte: SCHEIßE!"(Buch S. 148 Mitte).
Michas Sohn spricht seine Eltern auf das Tagebuch an und ist verblüfft, was er da erzählt bekommt.
(Hier folgt Arianes Aufsatz in unverändertem Originaltext):
"Ja, mein Sohn, diese Tagebücher habe ich wirklich geschrieben um deine Mutter wieder ins Leben zurück zu holen!" antwortete Micha seinem 15- jährigen Sohn, auf die Frage, ob wirklich er diese Tagebücher geschrieben hatte. "Deine Mutter und ich waren an jenem Tag im Kino..." "Wir sahen uns einen Film an über das Reisen und ferne Länder, Seen, Wälder und Wüsten. Mohren und Bauchtänzerinnen, Dampfschiffe und Ballone, Büffel und Elefanten kamen darin vor. All die Dinge, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, die uns fremd aber großartig vorkamen! Ich kann mich noch all zu gut an diesen Film In achtzig Tagen um die Welt erinnern!" wurde Micha von seiner Frau unterbrochen.
"Als der Film zu Ende war und wir das Kino verließen," erzählte Micha dem gespanntem Jungen mit dem neugierigen Gesicht, das ganz seinem Vater ähnelte, weiter, "rollten in der schwarzen Nacht die großen und lärmenden Panzer vor uns die Karl- Marx- Allee hinunter. Uns wurde wieder bewusst wo wir waren. Zurück in die Realität gerissen nahmen wir die Panzer und die Mauer, etwa 300 Meter hinter uns, wieder war. Auch die Menschen, die uns entgegen kamen, die den gleichen traurigen Gesichtsaudruck trugen, den alle DDR- Bewohner besaßen, rissen uns aus den Erinnerungen an den bunten und farbenreichen Film. Ich dachte plötzlich an die Freundin meines Freundes Mario. Sie war Malerin, sie sagte eines Tages etwas, was ich niemals vergessen werde: "Egal welchen Teil und welchen Menschen ich in der DDR malen würde, ich bräuchte nur eine Farbe: GRAU!" Nachdenklich schaute Michael seinen Sohn an. "Miriam und ich liefen weiter die Straße hinunter und plötzlich blieb deine Mutter stehen und warf sich mir in die Arme. Das war das erste Mal, dass ich sie so nahe bei mir spüren durfte - ich hatte mich nach diesem Augenblick gesehnt, doch nicht aus so einer bestürzenden Situation heraus. In meinen Träumen, als 15- jähriger, wollte ich sie glücklich in meinen Armen sehen aber doch nicht weinend! Doch an jenem Abend drückte ich sie an mich. Ich fühle mich stark, sie in meinen Armen fest zu halten, ich fühlte mich stark, weil sie zu mir kam, als sie sich schlecht fühlte und dass sie sich in MEINEN Armen ausheulte." "Ich war froh, dass du damals bei mir warst," sagte Miriam und ihre Augen wurden feucht, sie griff nach Michas Hand, hielt sie fest. Beide saßen auf dem Teppichboden des Wohnzimmers, neben ihnen ihr Sohn der immer noch das Tagebuch des Vaters in der Hand hielt, aufgelegt auf seinen Knien. Er starrte gebannt auf die Eltern. "Deine Mutter schwieg den ganzen nach Hause weg, sie schüttelte höchstens mal benommen den Kopf - der Film hatte sie weich gemacht. Erst nach diesem Film, der uns die Augen öffnete, hatte sie wahrgenommen in was für einem Käfig wir eigentlich lebten - nämlich in einem Gebiet dass für uns die freiheitsraubende Hölle war. Abgegrenzt vom Paradies - der Bundesrepublik Deutschland durch die Mauer. Im Westen gab es alles wovon wir nur träumen konnten. Hattest Du als Westler Lust auf eine Tafel Schokolade, konntest Du in einen Laden gehen - wichtig OHNE anzustehen - und sie dir holen. Die Auswahl war riesig, nicht so wie bei uns im Osten. Dort gab es nur, wenn du Glück hattest, eine Sorte. Das wusste ich von meinem Onkel Heinz, dem Bruder meiner Mutter. Er war UNSER ONKEL aus dem Westen, also etwas ganz Besonderes. Er hatte nur eine Macke, er schmuggelte immer legale Waren vom Westen in den Osten, was mich fast zur Verzweiflung brachte. Als die Mauer im November 89 fiel konnte ich selbst die Erfahrung machen und in diesen "Wunderläden" einkaufen, in denen es einfach alles gab und die Ware niemals ausging.
Die Menschen aus dem Westen wurden auch nicht von der Regierung angestiftet, sich gegenseitig zu bespitzeln. Zu dieser Zeit konntest du dich bei uns nirgends sicher fühlen. Du durftest zu niemandem Vertrauen aufbauen, besonders nicht zu Fremden. Deine Oma, meine Mutter, hatte damals den Pass einer älteren Westlerin gefunden. Von da an "alterte" Mutti von heute auf morgen um 20 Jahre. Schminke und ältere Kleidung machten dies möglich. Sie hatte zu niemandem auch nur ein Wort gesagt, weder über den Pass noch über ihr Vorhaben, nicht mal zu ihrer eigenen Familie. Sie wollte mit dem Pass in den Westen fliehen. Doch als sie dann am Grenzübergang ein paar hundert Meter von der Mauer entfernt war, sah sie ein Pärchen aus dem Westen vor sich, das lachend und fröhlich schlendernd am Grenzposten zurück in den Westen ging. Jetzt erst merkte deine Oma, dass zu diesem Freiheitsgefühl, ein Westler zu sein, noch viel mehr gehörte als nur ein gefälschter Pass und eine gefälschte, auswendig gelernte Unterschrift. Schnell lief sie wieder nach Hause, beschloss wieder jünger zu werden und unsere Mutter zu bleiben." Michas Stimme erheiterte sich, sein Mund verzog sich zu einem Lächeln. "Dein Opa erkannte sie kaum wieder", sagte er grinsend.
Der Junge wandte sich an seine Mutter, setzte sich ganz dicht neben sie, so dass sich ihre Schultern berühren konnten. "Mama, komm ja nie auf die Idee dich 20 Jahre älter zu machen und von uns abhauen zu wollen. Aber es wäre ja eigentlich sinnlos da die Mauer ja sowieso schon seit 13 Jahren gefallen ist. Außerdem muss ich dir ein Kompliment machen, könntest immer noch meine größere Schwester sein, so wie du aussiehst." Miriam entgegnete etwas verlegen: "Danke schön mein Sohn, dass ist aber auch kein Wunder, da ich dich ja schon mit 18 Jahren zur Welt gebracht habe, dein Vater war 19. Sei froh dass wir so ein schönes Haus haben, würde es heute noch die Q-3a-Bauten geben, in denen wir damals mit unseren fünf, sechs Familienmitgliedern lebten, die so eng und winzig waren, hättest Du jetzt auch kein eigenes Zimmer."
"Ich weitete meinen Spielraum aus, als ich 15 Jahre alt war," erzählte Micha weiter. "Ich musste raus aus der engen Wohnung, ging auf den Spielplatz, der nicht weit von zu Hause entfernt war. Dort traf ich mich mit meinen Freunden. Wenn wir nach Hause mussten, sagten wir immer noch zu einander: "Also denn, bis morjen ufm Platz!" Es war uns einfach peinlich, dass sich 15- jährige noch auf dem Spielplatz verabredeten." Micha fuhr mit einem Glitzern in den Augen und in Gedanken versunken fort. "In meiner Parallelklasse war deine Mutter, das schönste Mädchen der ganzen Schule, und für mich natürlich das schönste Mädchen der ganzen Welt." Miriams Gesichtsfarbe veränderte sich, ihre Wangen nahmen die Farbe eines hellen Rosa an. Sie blickte Micha an und küsste ihn. "Ich verknallte mich in sie bei unserer ersten Begegnung, doch das ging allen männlichen Wesen so, zu dieser Zeit. Zu unserem Glück hatte sie einen kleinen Bruder, der mit Matchbox-Autos bestechlich war und so kamen wir an manch interessante Informationen. Doch gegen diesen AWO- Fahrer, den Sound seiner Maschine, der mich in manche Depression verfallen ließ, konnten diese winzigen Matchbox-Autos auch nichts bezwecken. Auch tauchte da immer wieder ein westlicher Verehrer auf. Deine Mutter wurde zu einem Diskussionsbeitrag verdonnert, da Erdmute Löffeling, unsere damalige Rektorin, deine Mutter und einen Westler bei unserer Schuldisco beim Knutschen erblickte. Ich wurde davor schon zu einem Diskussionsbeitrag verdonnert, da ich die Schuld meines Freundes Mario, der die Partei angriff, auf mich nahm. Und somit war ich der Mann der Stunde. Es kam der ersehnte Moment, auf den ich schon ewig lange wartete. An jenem Abend, als wir unsere Diskussionsbeiträge los werden sollten, kam Miriam zu spät. Sie beeilte sich mit dem Umziehen. Ich saß auf einem Stuhl. Sie drehte mir den Rücken zu, zog ihr blaues FDJ-Hemd an. Sie drehte sich um und sagte zu mir: "Nicht schmulen!" Als sie sich umdrehte standen die oberen drei Knöpfe der Bluse noch offen. In mir kam eine Hitzewelle hoch, die mir jegliche Gedankengänge versperrte, ihr Gesicht kam immer näher und als sie kurz davor war mich zu küssen - wurde ich aufgerufen, meinen Diskussionsbeitrag vorzutragen. Miriam flüsterte noch: "Ich zeig dir ein anderes Mal, wie Westler küssen!" und ging."
Nachdenklich saß Micha da. Schließlich fuhr er fort: "Das Versprechen deiner Mutter zögerte sich hinaus, bis drei Tage nach diesem Kinobesuch. Sie lief also benommen die Karl- Marx- Straße hinunter, die dunklen, großen, beängstigenden Panzer waren nicht zu übersehen und zu überhören. Als wir endlich bei Miriam zu Hause ankamen - der Weg kam uns unendlich lange vor wegen der langsamen Schritte die wir machten - sagte sie kein Wort, zu niemandem. Sie legte sich in ihr Bett und starrte die Decke an. Ich glaube, wenn sie schlief klappte sie ihre Augenlieder einfach runter. Und so vergingen dann drei lange Tage, bis mich der Abschnittsbevollmächtigt ansprach, ich solle mal nach Miriam schauen, ihr ginge es nicht gut. Der ABV hatte uns öfter zusammen gesehen und ich war froh, dass er mich darauf ansprach. Sofort schnappte ich meine Jacke und lief zu Miriam, die uns gegenüber wohnte. Ich erschrak als ich Miriam nur im Bett liegen und an die Decke starren sah. So kam ich auf diese Idee, ihr diese Tagebücher anzukündigen und ihr meine Gefühle zu gestehen. Doch zuvor musste ich die ja erst noch schreiben! Ich schrieb sie alle in einer Nacht! Sieben Tintenpatronen gingen dabei drauf. Am anderen Tag setzte ich mich also auf ihre Bettkante und las ihr vor." Micha nahm das aufgeschlagene Tagebuch zur Hand und las: "Liebes Tagebuch, heute war ein wichtiger Tag, denn wir haben heute das ß gelernt. Jetzt lohnt es sich, mit dem Tagebuch anzufangen, weil ich jetzt ein wichtiges Wort schreiben kann, das ich bis jetzt immer nur denken konnte, doch das viele meiner Gefühle besser beschreibt: SCHEIßE!!!" Micha schaute auf und geradewegs in Miriams Augen. Er fuhr fort: "Und plötzlich veränderte sich etwas um Miriams Mundpartie: sie lächelte. Zuerst wollte ich ja gar nicht aufhören zu lesen, da ich ja erst begonnen hatte. Doch dann kam in mir ein Gefühl des Erfolges und der Freude auf: ICH HATTE ES GESCHAFFT, ICH HATTE MIRIAM GERETTET UND INS LEBEN ZURÜCK GEHOLT. Deine Mutter nahm mich in ihre Arme und löste ihr Versprechen ein: sie zeigte mir, wie Westler küssen..."
Micha hielt inne. "Ja mein Sohn, vier Jahre danach kamst du, wir zogen in den Westen und heirateten." Miriam küsste Micha erneut, doch das war kein Kuss des Versprechens, sondern ein Kuss der wahren Liebe. Der Sohn der beiden sagte erleichtert: "Einerseits bin ich ja froh, dass es diese Zeit mit dieser Mauer gab, sonst hättet ihr euch ja nicht gefunden und ich würde auch nicht existieren. Andererseits muss es eine schlimme und SCHEIß-Zeit für die Menschen gewesen sein, die dort lebten. Jetzt versteh ich auch den Schlusssatz deines letzten Tagebuches, Papa:
GLÜCKLICHE MENSCHEN HABEN EIN SCHLECHTES GEDÄCHTNIS UND REICHE ERINNERUNGEN!
"Zeitung in der Schule" ist ein alter Hut in der Medienlandschaft und dennoch immer wieder neu - für die Schüler, die das Projekt betreiben. Für den Lehrer ergeben sich dabei immer wieder neue Aspekte, neue Erfahrungen mit Schülern, so dass aus dem "alten Hut" ständig ein "aktuelles Modell" entwickelt wird. Es sei vorweg gesagt: Wer mit seinen Schülern ein solches Projekt wie "ZiSch" angeboten bekommt, sollte unbesehen zusagen. Das Risiko wird belohnt mit gutem Erfolg.
Allerdings:
Es ist verbunden mit viel Arbeit für alle Beteiligten.
Ein Auszug aus dem Erfahrungsbericht 1999 zu "ZiSch" soll verdeutlichen, wie das Projekt verwirklicht werden kann. Wohlgemerkt, das Gesagte ist nur einer der möglichen Wege. Dieser Weg soll hier beschrieben werden, um Anhaltspunkte zu geben, wie man vorgehen kann. Jeder Lehrer, jede Klasse wird sich dabei seinen/ihren eigenen Weg suchen müssen.
Die Motivation der Klasse 9 a des Bildungszentrums Bodnegg lag gleich nach Bekanntwerden des Projektes auf hoher Latte. Die Schüler hatten "Schreiberfahrung" aus der Klasse 5 und 6. Dazu kommt, dass sich ein Kollege mit seiner Klasse anschloss, was sich als großer Vorteil für die beiden Deutsch-Lehrer herausstellte. Sie konnten sich ständig austauschen.
Hinzu kommt die Offenheit des Schulleiters, der den nötigen Freiraum gab. So kam es, dass die beiden Klassen auch gleich die offizielle Eröffnungsveranstaltung zum Projekt "ZiSch" für die Schwäbische Zeitung und das IZOP organisierten.
Arbeitsweise für "Zeitung in der Schule
Lehrer und Klasse regelten zunächst gemeinsam das Arbeitsverhältnis:
Grundsätzlich galten folgende Punkte als verbindlich für alle:
| 1. |
Wir sind eine große Redaktion. |
| 2. |
Wir alle sind ein Team gleichberechtigter Kollegen und Kolleginnen. |
| 3. |
Wer etwas zu sagen hat soll und darf es sagen. |
| 4. |
Wer seinen Beitrag vorstellt, muss sicher sein, dass dieser nicht "kaputt" gemacht und dass der Vortragende ernst genommen wird. |
| 5. |
Vergnügen über Fehler oder verunglückte Formulierungen oder sonst wie geartete unfreiwillige Komik darf nicht zu Lasten des Kollegen, der Kollegin gehen. Lachen ist erlaubt, aber keine Häme. |
| 6. |
Kritische Besprechungen der vorgelegten Texte sollen ausschließlich der Förderung des/der Kollegen/Kollegin dienen und der Schärfung des Blicks aller Beteiligten für ihre eigenen Texte. |
| 7. |
Wichtig ist, dass neu eingehende Informationen des IZOP, des Lehrers oder sonstige organisatorischen Fragen gemeinsam verarbeitet und Probleme gelöst werden. |
| 8. |
Beim ersten Elternabend der Klasse wurde das Projekt vorgestellt, Fragen und "Notensorgen" der Eltern beantwortet bzw. zerstreut. Auch hier galt es, Vertrauen zu schaffen, weil Eltern - und auch Lehrer - Projekte zunächst einmal unter dem Aspekt der Noten angehen. |
| 9. |
Die Rolle des Lehrers: Der Lehrer schlüpft aus seiner Rolle als Lehrer heraus, wird eher primus inter pares, zum Moderator, vermittelt, achtet auf gerechte Aufgabenverteilung, gibt Hilfestellung, regt an zu eigenen Themenvorschlägen der Schüler, muss die zugesagten Texte der Schüler redigieren. (Allein das Redigieren gibt ein hartes Stück Arbeit). |
HILFEN FÜR DIE SCHÜLER:
SCHREIBEN WIE FÜR DIE ZEITUNG
Wer Wo Wann Was Wie Warum Woher*
1. Stelle Dir vor, Du bist ein/e Journalist/in.
2. Schreibe über das Geschehen
eine Nachricht. Sie ist so geschrieben, dass wenige Zeilen in knapper Form über das Geschehen informieren ohne eigene Meinung des Schreibers.
einen Bericht. Er ist eine ausführlichere Darstellung der Ereignisse in sachlicher Form, ohne eigene Meinung des Berichterstatters.
eine Reportage ist so geschrieben, dass der Leser erkennt:
Der Reporter war am Ort des Geschehens, er hat sich genau umgesehen,weiß über den Ablauf der Ereignisse genau Bescheid, kann Ort, Umfeld, Menschen, Stimmungen beschreiben. Der Leser wird dennoch genau informiert.
BEACHTE:
Egal, für welche Textsorte Du Dich entscheidest,
die W-Fragen müssen für den Leser immer beantwortbar sein:
| -- |
bei der Nachricht in strenger Form, |
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beim Bericht darf man aber die Chronologie sinnvoll ändern (z. B. mit einem wichtigen Zitat beginnen; oder mit einem Ergebnis einsteigen etc... |
| -- |
bei der Reportage ist der Autor relativ frei; dennoch muss er auf eine schlüssige Abfolge des Textes achten. |
* Die Frage Woher macht dem Leser klar, welche Quelle der Schreiber bei der Nachricht benutzt hat, z.B. Polizeibericht.
Berichte stützen sich auf Informationen durch "Quellen", z.B. Polizeibericht, Telefon-Anfragen durch den Reporter bei Leuten, die über das Geschehen etwas wissen, die vielleicht auch Fachleute sind und über bestimmte Abläufe informieren können,.
Bei der Reportage stützt sich der Autor
auf eigene Beobachtungen und Eindrücke,
er spricht mit den Menschen, die am Geschehen beteiligt oder gar betroffen sind,
er spricht mit Leuten, die etwas dazu wissen oder erklären können,
er spricht mit Leuten, die Verantwortung tragen oder einfach nur Zeugen sind.
BEISPIELE AUS SCHÜLERARBEITEN
Nach einer umfangreichen Trainingsphase mit zahlreichen Übungen zu Nachricht, Bericht und Reportage erhielten die Schüler einen konkreten Rechercheauftrag:
Besuch der Heilstätten für alkoholkranke Frauen auf dem Höchsten bei Wilhelmsdorf und für alkoholkranke Männer in der Fachklinik Ringgenhof in Wilhelmsdorf. Zum Besuch der Einrichtungen wurde die Klasse in zwei Gruppen geteilt. Der Besuch war angemeldet, Fachpersonal führte durch die Einrichtungen und erläuterten die Therapieformen. Patienten standen freiwillig zum ausführlichen Gespräch mit den Schülern zur Verfügung.
Das Vorgehen in der Nachbereitung:
Beide Recherche-Gruppen berichteten anderntags über ihre Eindrücke, klärten nochmals Fragen intern ab und korrigierten Missverständnisse und Zahlen, diskutierten über das Erlebte.
Die Aufgabe bestand nun darin, innerhalb von drei, vier Tagen die "eigene Geschichte" zu schreiben. Maximal 250 Zeilen, zu je 35 Anschlägen. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Beiträge vom Lehrer "redigiert" und mit Anregungen versehen, zur erneuten Bearbeitung zurückgegeben.
Schließlich erfolgte ein durchaus gewollter Schock für die Schüler. Sie hatten eigentlich überhört oder auch nicht so sehr bedacht, dass sie Texte produzieren sollten, wie sie für die Zeitung geeignet sind, damit sie Chancen haben, veröffentlicht zu werden.
Jetzt folgte nämlich die Forderung:
Kürzen auf maximal 100 Zeilen, am besten auf 80. Die "Enttäuschung" die mühevolle Arbeit "eindampfen" zu müssen, musste diskutiert werden.
Bald sahen es die Schüler ein, was hinter dieser neuen Aufgabe steckt: Nicht etwa eine Missachtung der Leistung, sondern die Erfüllung einer Voraussetzung, um die Profi-Redakteure jeden Tag kämpfen müssen.
Ergebnis:
Die Arbeiten der Schüler, wurden insgesamt stets rasch und korrekt erfüllt bzw. vorgelegt. Voraussetzung war die rasche Rückgabe durch den Lehrer, der seine Hinweise auf Wunsch der Schüler stets nur mit Bleistift anbrachte. Das sei weniger brutal in der optischen Wirkung, eben kollegialer als Kugelschreiber oder gar Rotstift.
Die Texte wurden insgesamt zu einem Genuss für den Lehrer/Leser. Selbst die schwächeren Schüler brachten sehr wohl gute Ergebnisse zustande. Es war stets ihre eigene Arbeit, die da entstand und es machte die Bearbeitung der eigenen Texte auch deshalb Spaß, weil sie am Computer erfolgen konnte, der es ja erlaubt, gespeicherte Texte aufzurufen und zu bearbeiten. Man musste also nicht mehr ständig alles neu schreiben. Ein wichtiger Aspekt der Motivation.
Der Lehrer hatte nun bei 25 Schülern allein für diese Recherche-Arbeit jeweils dreimal jeden Text gelesen, den Großentwurf, die eingedampften Texte und schließlich die Endfassung. Diese wurde von den Schülern dann endgültig in sauberer Form aus dem Computer ausgedruckt.
Besuch von Redakteuren
Doch ein so großes Kollegium, wie es diese Klassen-Redaktion über Monate war, sollte ja nicht nur den eigenen Primus inter Pares als Orientierungsmarke haben. Die Schüler sollten auch den echten Profi aus der Zeitungsredaktion sehen und hören:
Zweimal hatten wir mit Bernd Adler den für uns zuständigen Lokalredakteur der Schwäbischen Zeitung aus Ravensburg bei uns, jeweils zuvor versehen mit einigen Texten der Schüler. Beide Stunden waren ein Genuss für die Schüler: Unser Gast war nicht nur motiviert, er war nicht nur geschickt im Umgang mit Schülern, er war hervorragend vorbereitet. Was er vortrug, was er an den Texten lobte und verändert sehen wollte, begründete er ausführlich, wurde von den Schülern sehr wohl verstanden und schließlich in ihrem Rahmen umgesetzt.
Die nachstehenden vier Texte standen schließlich in der Zeitung:
Ferien vom Alkohol - für wie lange?
(-von Daniela W.-)
Wilhelmsdorf/Höchsten. Irgendwie hatte ich mir die Suchtklinik für alkoholabhängige Frauen auf dem Höchsten bei Wilhelmsdorf anders vorgestellt: Eiserne Gitter vor jedem Fenster, dicke, zugezogene Vorhänge, die den Einblick in kahle, dunkle Zimmer verdecken und auf jeden Fall Frauen, denen man den Alkohol ins Gesicht geschrieben sieht.
Doch so ist es nicht! Weder Eisengitter noch zugezogene Vorhänge verdecken die Einblicke. An vielen Fenstern und in den Fluren hängen selbst gebastelte, gemalte oder geknüpfte Bilder, in Regalen stehen getöpferte Figuren, im Speisesaal und in den Aufenthaltsräumen zieren Blumen Tische und Fensterbänke. Aus dem Park hört man hin und wieder das fröhliche Lachen von Patientinnen. Man könnte fast den Eindruck haben, in einem Ferienhaus für Erwachsene zu sein. Doch Therapieräume, Bücher über Süchte, Poster gegen Drogen machen deutlich, dass die Frauen mit großen Problemen zu kämpfen haben.
Die Frauen, die hier leben, machen ganz und gar keinen Urlaub! Sie bereiten sich in 16 Wochen Therapie auf ein Leben ohne Alkohol und Drogen vor: Nach einer Entgiftung in einem Krankenhaus lernen sie auf dem Höchsten, sich wieder in eine Gemeinschaft einzugliedern. Ganz wichtig sind dabei die Arbeitstherapien. Die Frauen malen, basteln, batiken, tonen oder binden Tagebücher und Fotoalben. Täglich kümmern sie sich um die Tiere der Klinik oder pflanzen im großen Gewächshaus Blumen an. Das kleine Schwimmbad, die Sauna, der Fitnessraum, die Sporthalle und das gemütliche Kaminzimmer gehören zur Ausstattung der Klinik.
"Früher habe ich sehr gerne gemalt, aber durch meine Sucht war einfach die Ruhe weg", erzählt Steffi. Sie ist 28 Jahre alt und litt sehr unter ihrem Alkoholkonsum. Ihr war es egal, was die Freunde gesagt haben. Für sie war es einfach schön, bedudelt zu sein. Jetzt hat sie gelernt, wieder etwas aus ihrem Leben zu machen. Doch die Angst vor einem Rückfall bleibt. Steffi ist froh über diese Entwöhnungskur, denn daheim würde sie es trotz aller Willenskraft nicht schaffen, vom Alkohol wegzukommen.
Claudia, eine andere Patientin, ist 26. Sie begann mit 16 Jahren zu trinken, um in ihrer Clique anerkannt zu sein. "Ich habe schon von Anfang an bemerkt, dass ich anders trank als meine Kumpels: Ich trank nicht, weil es schmeckte, mir ging es mit Alkohol besser." Am Ende trank sie zwei Jahre lang jeden Tag eine Flasche Cognac. Ihr Mann, der sich inzwischen scheiden ließ, merkte lange nichts. Ihre Alkoholfahne vertuschte Claudia mit Bonbons. Wie Steffi hat auch Claudia versucht, alleine mit ihrer Sucht fertig zu werden. Vergeblich. Ihre Eltern schämten sich für sie; ihr Bruder will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Bei Claudia kam es statt dessen, wie bei vielen Alkoholikern, zu einer Suchtverlagerung. Das heißt, sie ist heute zwar "trocken", aber nun leidet sie an Eßstörungen, die während der Therapie erfolgreich behandelt werden. Claudia möchte auch später eine The-rapie besuchen, um besser über die schweren Tage der Vergangenheit hinweg zu kommen.
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Alkohol - eine Sucht die nie endet!
Über einen Besuch in der Suchtklinik Ringgenhof
(-von Julia Sch.-)
Wilhelmsdorf. "Die meisten Leute stellen sich Patienten einer Suchtklinik so vor: Schwarze Augenringe, aufgedunsene Gesichter, glasiger Blick, physisch wie psychisch total fertig. Das sind die typischen Vorurteile der Gesellschaft gegenüber Alkoholikern", erzählt Bernd H., ein 39jähriger Patient der Suchtklinik Ringgenhof in Wilhelmsdorf. Der frühere Lehrer und heutige Informatiker befindet sich schon seit über drei Monaten in Behandlung wegen seiner Alkoholsucht. Mit ihm unterziehen sich der-zeit weitere 104 Patienten einer Entwöhnungskur, die sich einer Entgiftung in einem Krankenhaus anschließt.
Die Bewohner der Suchtklinik werden in verschiedenen Therapien beschäftigt: Musizieren, tonen, malen oder Haus- und Gartenarbeit ergänzen die Gruppen- und Einzeltherapie. Zum Arbeitsprogramm gehören auch Pflichten auf dem Bauernhof der Klinik, zu dem ein großer Hühnerstall und eine Herde Schafe gehören.
Die Patienten werden jünger. Früher lag das Durchschnittsalter bei 45, heute sind unsere Patienten im Durchschnitt 38 bis 42 Jahre alt", informiert Bernd Linder, therapeutischer Leiter der Suchtklinik. Der 19 Jahre junge Jörg K. ist derzeit der jüngste alkohol- und drogenabhängige Patient. "Mit elf Jahren fing ich an zu trinken und Drogen zu nehmen. Zuerst rauchte ich Haschisch, stieg dann auf Kokain, Speed und LSD um", beschreibt Jörg seine Drogenkarriere.
Bernd H. fing vor 25 Jahren an zu trinken: "Damals hatte ich große Probleme in der Schule. Aber kaum hatte ich Alkohol getrunken, waren all meine Probleme weg!" Bernd merkte schließlich selbst, wie er sich seelisch und körperlich veränderte. Für die Familie, die Freunde und Bekannten war die Situation schwierig: "Viele meiner Freunde wußten einfach nicht, wie sie reagieren sollten und mieden schließlich dieses Thema", beschreibt Bernd die Reaktion seiner Umgebung.
Das Gelingen der Therapie hängt vor allem von der Motivation der Patienten ab, erläutert Bernd Linder. Sie müssen sich eine Zukunft ohne Alkohol vorstellen können. Deshalb will Bernd nach seiner Therapie wieder ganz normal zur Arbeit gehen, einmal in der Woche seinen achtjährigen Sohn sehen, der bei Bernds geschiedener Frau lebt. Vielleicht gründet Bernd auch wieder eine neue Familie. Jörg K. möchte nach der Zeit im Ringgenhof eine Lehre als Möbeldisigner beginnen. "Das Schlimme ist, die Alkoholsucht hört nie auf!" sagt Bernd. Schwarzwälder Kirschtorte oder Mon Chéri sind für "trockene Alkoholiker" für immer tabu. Schon die kleinste Menge Alkohol kann einen Rückfall in die Sucht auslösen, die dann noch schlimmer werden kann als zuvor.
(in der Zeitung 76 Zeilen a 35 Anschläge) |
Alkohol wirkt fatal!
(-von Deborah R.-)
Schon nach wenigen Gläsern Alkohol sieht die Welt anders aus: Der Mensch wird gesprächiger, weniger kritisch, die Stimmung hebt sich. Das nennt man Euphorie. Schließlich verliert man die Hemmungen. Dies kann schon ab 0,6 Promille der Fall sein, heißt es in einer Schrift der "Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren" in Hamm. Die eigene Person, die Umgebung, alles wird nicht mehr so wahrgenommen, wie es wirklich ist. Das Reaktionsvermögen läßt bei 0,8 Promille um 50 Prozent nach. Wird weiter getrunken, verliert man die Kontrolle über seine Bewegungen: man schwankt. Auch dafür gibt's einen medizinischen Begriff: Ataxie. Bald gehorcht die Zunge nicht mehr - man lallt, denn 1,1 Promille können ziemlich verwirren. Längst ist man nicht mehr fahrtüchtig.
Wer sich 2,4 Promille antrinkt, dem fallen schließlich die Reflexe aus. Daraus entwickelt sich ein Zustand völliger Hilflosigkeit. Spätestens in diesem Stadium übergeben sich die meisten Menschen: Der Körper schaltet in seiner Not auf Selbstschutz! Wer trotz Erbrechens weiter trinkt, begibt sich in Lebensgefahr! Das Gehirn meldet bei 3,0 Promille einen absoluten Filmriß. Schließlich führt diese Art des Alkoholmißbrauchs zu schweren Vergiftungen mit Bewußtlosigkeit. Nun werden auch die letzten funktionsfähigen Teile des Gehirns angegriffen, die so lebensnotwendigen Funktionen wie Atmung und Herzschlag regeln. Der Tod steht kurz bevor!
(In der Zeitung 40 Zeilen à 35 Anschläge) |
Von Alpha- und Gamma-Trinkern
(-von Georg B.-)
Alkoholiker kann man in verschiedene Typen einteilen. Es gibt den sogenannten "Alpha-Trinker", der mit Alkohol versucht, seine Probleme zu lösen. Er kann seinen Alkoholkonsum ebenso noch kontrollieren, wie der "Beta-Trinker", den man auch als Gelegenheitstrinker bezeichnet.
Die "Gamma-Trinker" sind die eigentlichen Alkoholiker ohne Kontrolle über ihren Alkoholkonsum. "Delta-Trinker" werden auch "Spiegeltrinker" genannt: Sie halten ihren Alkoholkonsum relativ lange unter Kontrolle, sind körperlich, aber nicht seelisch vom Alkohol abhängig. Als "Quartalssäufer" bezeichnet man Trinker, die wochenlang keinen Alkohol trinken, ihm dann aber unkontrolliert zusprechen.
Alkoholiker, die sich nicht behandeln lassen, weisen im Laufe ihrer Sucht oft deutliche geistige und körperliche Störungen auf, die nicht mehr zu beheben sind und den Betroffenen sein Leben lang begleiten.
(In der Zeitung 27 Zeilen a 35 Anschläge) |
Zu meiner eigenen großen Freude hatten sich 5 Schülerinnen nach dem Projekt für ein Seminar im Bildungswerk "Waldhaus Jacob" in Konstanz angemeldet mit dem Thema:
Die Kunst des Zeitungmachens - Grundlagenseminar für junge Meinungsbildner.
Kontakt und Gesprächsbereitschaft mit dem Autor dieser Seiten finden Sie über e-mail:Stellberger@online.de